Warum Arbeit (k)einen Purpose braucht.

Aug, 2021 , 3 min


Von neuen Bedürfnissen, zu neuen Ansprüchen, zu neuen Realitäten: Arbeit(en) befindet sich im ständigen Wandel der Zeit. Gerade im 21. Jahrhundert etabliert sich durch Faktoren wie Digitalisierung und Automatisierung kombiniert mit einem Generationen- und Wertewandel eine neue Welt des Arbeitens. Neben New Work wird hier vor allem über eins diskutiert: Purpose. Doch wonach suchen wir, wenn wir nach Purpose in unserer Arbeit suchen? Und was machen Purpose-Driven Unternehmen?

Purpose Economy: Arbeiten mit Sinn? 

Der Entrepreneur Aaron Hurst hat den Begriff der Purpose Economy geprägt. Er beschreibt damit die Art und Weise, wie sich Arbeit verändert und den zunehmenden Wunsch von Arbeitnehmer*innen einen höheren gesellschaftlichen Zweck in ihrer Arbeit zu verwirklichen. „People don’t go to work just to get a paycheck; they want to feel what they are doing matters to the world and that they are growing in the job” beschreibt Hurst das in einem Interview aus 2018. Wenn wir über Purpose sprechen, dann geht es also um das Streben einen Sinn im Leben – und in der eigenen Arbeit – zu finden. Es geht also nicht mehr darum, primär Arbeiten zu gehen, um Geld zu verdienen, sondern in der eigenen Arbeit Erfüllung durch Sinnstiftung zu finden. Das führt dazu, dass wir generell glücklicher wären: „If you realize meaning in your work, you tend to be more satisfied in your life” stellt Art Brief von der Universität Utah fest. Gleichzeitig geht es auch darum, Sinn im eigenen Job und den eigenen Aufgaben zu finden: mithilfe der „Warum”-Frage. Warum mache ich meinen Job, warum ist diese Aufgabe wichtig für meinen Job, warum ist mein Job für mein Unternehmen wichtig? Wenn wir diese Fragen beantworten können, dann haben wir das Gefühl, dass unsere Arbeit Sinn ergibt, also Purpose hat. 

Purpose-Driven Unternehmen: was heißt das?

Purpose setzt natürlich nicht nur auf Arbeitnehmerinnen-Seite an, sondern beschäftigt auch Unternehmen. Purpose fragt hier nach dem Sinn und Zweck eines Unternehmens. Laut Hurst und seiner Theorie der Purpose Economy können Unternehmen nur langfristig Erfolg haben, wenn sie einen Sinn für gesellschaftliche Zwecke ergeben. „Millennials expect a social commitment and are looking for businesses that have social responsibility" beschreibt Index Ventures Partner Danny Rimer das Konsumverhalten einer neuen Generation. Der Unternehmens-Purpose ist nicht nur wichtig, um Konsument*innen zu überzeugen, sondern auch um Mitarbeiter*innen und Investorinnen langfristig an sich zu binden.  Hurst differenziert zwischen drei Arten von „Purpose-Driven”-Unternehmen:

  1. „Value-driven”-Unternehmen: Werte stehen hier im Vordergrund und alle Entscheidungen werden vor Hinblick der richtigen Werte getroffen. Value-driven Unternehmen fragen danach, was sie verändern wollen, welcher Ideologie sie folgen und wie sie dementsprechend „richtig” handeln, wie z. B. die Eishersteller Ben & Jerry’s.
  2. „Excellence-driven”-Unternehmen: Der Fokus auf qualitativ hochwertige Arbeit definiert den Sinn jener Unternehmen. Sie fragen danach, wie sie besser werden und welchen Qualitätsstandard sie erreichen wollen, wie z. B. Apple
  3. „Impact-driven”-Unternehmen: Impact-getriebene Unternehmen übernehmen aktiv Verantwortung für die Auswirkungen, die ihr Handeln für Stakeholder hat und möchten ihren Einfluss stets optimieren. Sie fragen danach, was ihr Einfluss ist und wie sie verantwortungsvoll mit diesem umgehen, wie z. B. die Outdoor-Bekleidungsmarke Patagonia

Geht es auch ohne Purpose?

Jein! Unternehmen sollten sich besser spät als nie ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden und mit Purpose handeln. Auch für Menschen ist das Gefühl, etwas Sinnstiftendes zu tun, ohne Zweifel wichtig. Aber unseren Purpose müssen wir nicht in der Lohnarbeit finden. Auch, wenn Purpose und das Streben danach durch die eigene Arbeit etwas zurückzugeben trendy ist – auch Jobs ohne Purpose sind okay. Zum einen haben nicht alle Menschen die Option überhaupt einen Job mit Purpose zu wählen und zum anderen ist Lohnarbeit letztendlich eben doch Lohnarbeit. Der eigene Purpose muss nicht zwangsläufig über ein Arbeitskonstrukt gefunden oder hergestellt werden. Es ist auch vollkommen okay, wenn Lohnarbeit auch Lohnarbeit bleibt – und wir unseren Purpose außerhalb dieser finden.