Hybrides Arbeiten: 5 Fragen an Architekt Ralph Manthey

Sep, 2021 , 5 min


Hybrides Arbeiten: 5 Fragen an Architekt Ralph Manthey

Letzten Monat drehte es sich auf dem Unicorn Blog um das Thema “Büros der Zukunft:  Hybrides Arbeiten”.  Hybrides Arbeiten ist ein Trend, der in der New Work-Welt bereits umgesetzt wird und nun großflächig als  Arbeitsmodell der Zukunft verhandelt wird. Hybrides Arbeiten zeichnet sich durch flexibles Kombinieren verschiedener Arbeitsmodi aus. So ermöglichen es hybride Arbeitsmodelle zwischen mobilem Arbeiten, Homeoffice und der Arbeit aus dem Büro zu wechseln und so für jeden Arbeitsmodi die individuell passende Arbeitsumgebung zu wählen.

Ralph Manthey ist Architekt und Büroinhaber von MAAD Architektur Design und  beschäftigt sich unter anderem mit der Konzeption moderner Arbeitsumgebungen. So hat Ralph Manthey beispielsweise für Unicorn Workspaces, 1000Satellites und andere Unternehmen bereits Arbeitsflächen konzipiert und ist  bei der Umgestaltung von Bestandsflächen beratend tätig. Wir stellen 5 Fragen zum Thema Arbeiten und Büro der Zukunft.

Wie sieht für Dich die Arbeit der Zukunft aus? 

Der Trend geht eindeutig zu mehr Flexibilität im Office. Im Fokus steht dabei die Verknüpfung von Office und Homeoffice. Gerade die Pandemie hat ein deutliches Umdenken bei Führungskräften und Mitarbeiter*innen bewirkt, da zwangsläufig klar wurde, dass nicht alle Mitarbeiter*innen tagtäglich im Office anwesend sein müssen. Zukünftig geht es darum, das Office so flexibel zu gestalten, dass auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Arbeitsprozesse Rücksicht genommen werden kann. Das Office muss also eine ergänzende Funktion und einen sinnvollen Mehrwert im Arbeitsprozess haben und ist nicht mehr dauerhaft alleiniger Mittelpunkt.

Was bedeutet das für die Büros der Zukunft? 

Langfristig werden Offices eine Bündelung unterschiedlicher Arbeitsbereiche abbilden. Es entstehen Arbeitsflächen, die nicht mehr für jede*n Mitarbeiter*in einen festen Arbeitsplatz bieten, sondern stattdessen sinnvolle Ergänzungen zum Homeoffice. Dazu gehören die Möglichkeit des konzentrierten und abgeschotteten Arbeitens genauso wie die Möglichkeit des Teambuildings, der Ausrichtung von Meetings und Events. Gerade durch diese Vernetzung von unterschiedlichen Arbeitsweisen wird der soziale Kontakt und der Austausch untereinander für die Qualität der Arbeit, aber auch für die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen immer wichtiger. Es gilt Bereiche zu schaffen, die auch im Office Kontakte zwischen den Mitarbeiter*innen fördern und den Austausch zu Arbeits- oder Freizeitthemen in entspannter Atmosphäre ermöglichen. Gerade hinsichtlich Produktivität und Zufriedenheit im Team ist das unablässig als Ausgleich zum separierten Homeoffice.

Wie bewertest Du hybrides Arbeiten als Arbeitsmodell der Zukunft? 

Grundsätzlich sollte hybrides Arbeiten für viele Unternehmen, als Chance  gesehen werden auf die starken Veränderungen in der Gesellschaft zu reagieren. Dies betrifft natürlich einerseits die Auseinandersetzung mit dem Office, den Arbeitsweisen und den Prozessen innerhalb der Teams aber auch mit der Außendarstellung eines Unternehmens. Mehr als in anderen Generation gilt es die Zufriedenheit und damit die Produktivität aller Mitarbeiter*innen in den Fokus zu setzen. Und dazu gehört auch alte Pfade zu hinterfragen und flexibel auf die unterschiedlichen Vorlieben und Arbeitsweisen innerhalb der Teams zu reagieren. Ein gutes Office mit Mehrwert zum Homeoffice bietet die Chance Teams in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu fördern.

Wie können hybride Arbeitsmodelle erfolgreich in der Praxis umgesetzt werden? 

Transparenz und offene Kommunikation innerhalb der Unternehmen ist wichtig bei der Gestaltung von hybriden Arbeitsumgebungen. Mehr als früher laufen die Planungsprozesse und Entscheidungen heute nicht mehr über die Führungskräfte. Die Nähe zu den Teams und die Auseinandersetzung mit deren Abläufen, Vorstellungen, Problemen und Verbesserungswünschen sind entscheidend im Planungsprozess. So können Unternehmen ein Office erhalten, welches jede*n Mitarbeiter*in anspricht und diese befähigt den eigenen Mehrwert zum Homeoffice zu entdecken und auszuleben. Unerlässlich ist dabei die Verantwortung der Führungskräfte sich selbst richtig einzuordnen und das Team in den Fokus zu setzen. Nicht ohne Grund lässt sich beobachten, dass vermehrt Führungskräfte keine Einzelbüros für sich fordern und bislang gelebte Hierarchien damit hinterfragen. Gerade auch in konservativen Unternehmensstrukturen lässt sich hier ein Umdenken feststellen.

Wie arbeiten wir in 100 Jahren? 

Die letzten Jahre haben eine rasante Entwicklung des Arbeitsverhaltens und damit einhergehend des Arbeitsplatzes aufgezeigt. Vieles was früher undenkbar galt, ist heute möglich und mittlerweile sogar selbstverständlich. Viele Unternehmen müssen bei der Mitarbeiter*innensuche kritisch hinterfragen, ob sie das bieten können, was die moderne und flexible Welt fordert. Vom einfachen Büro und sterilen Großraumbüro hin zu lebendigen Co-Working-Space  bis zu den hybriden Arbeitsmodellen wird diese Entwicklung weiter an Dynamik behalten. Viele Arbeitsmodelle werden wieder wegfallen und nicht von allen gelebt werden. Viele Arbeitsprozesse ermöglichen nicht die Flexibilität, die an anderen Stellen möglich ist. Auch werden Qualitäten alter Arbeitsmodelle wie den Einzel- oder Großraumbüros wieder vermehrt Einzug halten und sich entwickeln. Über allem wird aber die starke Veränderung durch die Digitalisierung innerhalb von Arbeitsabläufen stehen, die ungeahnte Möglichkeiten der Flexibilität bietet. Dies wird immensen Einfluss haben auf die Arbeitswelt und die Gestaltung von Arbeitsplätzen. Viele Chancen werden sich bieten, die Arbeitsplätze zu Orten der Flexibilität und der Kommunikation auszubauen. Auch heute lässt sich bereits beobachten, dass große Unternehmen mehr sehen als nur den reinen Arbeitsplatz. Es entstehen Arbeitswelten mit einem Überangebot zum sterilen Arbeitsplatz. Ob sich das langfristig trägt, bleibt abzuwarten – lässt sich doch feststellen, das bislang jede Entwicklung auf althergebrachtes zurückgreift. Die Einzelbüros – zu Zeiten des Coworkings als unkommunikativ verschrien  – zeigen heute den wichtigen Mehrwert eines Rückzugsortes als Ausgleich zum lärmintensiven Arbeitsplatz im Co-Working-Space. Der quirlige und erlebnisreiche Arbeitsplatz fordert plötzlich den Wunsch nach mehr Privatsphäre im Homeoffice. All das zeigt, dass die Entwicklung und Gestaltung von Arbeitsumgebungen mehr  denn je auf unterschiedliche und immer neue Entwicklungen reagieren muss. Starre Arbeitsabläufe werden mehr in den Hintergrund rücken und eine Auseinandersetzung mit den Menschen und Ihrer Individualität an den Arbeitsplätzen fordern.