Besser leben, besser arbeiten: Work-Life-Balance vs. Work-Life-Integration

Dez, 2020 , 4 min


Die Niederlande sind das Land mit der besten Work-Life-Balance. Das besagen zumindest die Ergebnisse des aktuellen „Better Life Index” der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Unsere Gesellschaft durchläuft seit einigen Jahren einen strukturellen Wandel, durch den sich das Konstrukt der Arbeit und die Beziehung von Arbeitnehmer*innen zu ihrer Arbeit verändert hat. Seit den 1970er Jahren hat sich der Begriff New Work für diese Veränderungen in der Arbeitswelt etabliert. Für viele Arbeitnehmer*innen ist es zunehmend wichtiger einen Job auszuüben, der sie erfüllt und gleichzeitig nicht vollständig konsumiert – Work-Life-Balance halt. Oder doch Work-Life-Integration?

Work-Life-Balance: Ausgleich zwischen Arbeit und Privatleben

Alle möchten sie, (fast) niemand hat sie: Work-Life-Balance ist der Tesla der Arbeitswelt. Work-Life-Balance steht für ein gesundes Verhältnis zwischen dem Privatleben und dem Beruf. Im Vordergrund steht die eigenen Ressourcen gut zu kennen und ausbalanciert zu verteilen. Ein Job kostet immer Zeit und Energie. Im Sinne der Work-Life-Balance sollte dieser zum einen aber auch positiv herausfordernd und erfüllend sein, zum anderen genug Kapazitäten lassen, neben diesem auch ausreichende Ressourcen für ein Privatleben und die eigenen Interessen zu haben. Eine solche Balance ermöglicht es Menschen glücklicher und gesünder durch den Tag zu gehen – auf der Arbeit, davor und danach. Für eine gesunde Work-Life-Balance gibt es dabei keine Anleitung, sondern diese sieht, je nach Lebenssituation, Interessen und letztendlich auch den vorhandenen Möglichkeiten, für jede*n anders aus.

Work-Life-Integration: Der New-Work-Trend

Work-Life-Blending, also das Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Privatem, gehört zu den Merkmalen von New Work. Dahinter steht die Annahme, dass eine Trennung zwischen Arbeit und Privatem – auch wegen der  zunehmenden Digitalisierung – schlichtweg nicht mehr vollständig möglich ist. Die Mails auf dem Weg zur Arbeit checken oder kurz einen interessanten Post fürs Unternehmen auf LinkedIn teilen – das alles fällt traditionell unter den Arbeitsbegriff und geschieht trotzdem ganz intuitiv außerhalb unserer Arbeitszeit. Für viele ist Work-Life-Balance deswegen nicht nur ziemlich unrealistisch, sondern auch gar nicht erstrebenswert. Das Ziel lautet daher Work-Life-Integration. Diese macht sich New Work Ansätze zu nutzen. Statt einer zwanghaften Trennung zwischen Arbeit und Privatem sollen die beiden Aspekte erfolgreich miteinander verbunden werden. Es sollen die Vorteile von New Work, wie die Möglichkeit digitalisierter Arbeitsstrukturen und zeitlicher sowie örtlicher Flexibilität genutzt werden, um Arbeit und Privatleben zu integrieren. Außerdem soll ein Arbeitsumfeld entstehen, in dem ein Ausgleich auch innerhalb des Büros gefunden werden kann und nicht nur nach dem Arbeitstag.

New Work Maßnahmen: so können Unternehmen Work-Life-Ansätze unterstützen

Während die Work-Life-Balance die Verantwortung der Trennung zwischen Arbeit und Privatleben eher beim Individuum sieht, z.B. durch Maßnahmen wie keine Mails mehr außerhalb der Arbeit checken, körperlichen Ausgleich finden, feste Tage für Familie und Freund*innen einplanen, …, sieht die Work-Life-Integration vor allem auch Unternehmen in der Verantwortung, diese zu ermöglichen. Folgende Maßnahmen können dabei umgesetzt werden:

  • flexible Arbeitszeiten: Nicht nur Start-ups haben sich vom klassischen 9-to-5 verabschiedet, sondern immer mehr Unternehmen ermöglichen ihren Mitarbeiter*innen dank flexibler Kernarbeitszeiten, die Arbeit besser mit ihrem restlichen Leben zu verbinden. Ob Kinder zur Kita bringen, Sport vor der Arbeit machen oder einfach wichtigen Schlaf aufholen, flexible Arbeitszeiten ermöglichen es Lerchen und Eulen das Meiste aus ihrem Tag zu machen.
  • flexible Arbeitsmodelle: Gerade im Rahmen der Corona-Pandemie wurde das Recht auf Home-Office heiß diskutiert. Man möge davon halten,  was man möchte, doch die Möglichkeit flexibler Arbeitsmodelle, z.B. durch Home-Office, ist ein wichtiger Bestandteil, um Work-Life-Ansätze zu realisieren.
  • Gesundheitsangebote: Physische und psychische Gesundheit sind ein elementares Bestreben der Work-Life-Ansätze. Unternehmen können diese durch vielfältige Angebote fördern, wie z.B. einem internen Yoga-Kurs, einem Zuschuss zum Fitnessstudio, einem Massageangebot oder auch durch das Angebot eines Life-Coachings.
  • Rückzugsorte und Freizeitangebote am Arbeitsplatz: von der Tischtennisplatte zum Schlafraum gibt es viele Möglichkeiten für Unternehmen ihren Mitarbeiter*innen auch im Büro kleine Oasen der Ruhe oder der Unterhaltung zu schaffen.
  • Kinderbetreuung: Leider können nur die wenigsten Unternehmen dieses Angebot realisieren, doch durch eine interne Kinderbetreuung fällt vielen Eltern ganz schön viel Stress von den Schultern.

Für viele Jobs ist im Jahr 2020 wirklich fraglich, ob Work-Life-Balance ein Konzept ist, das wirklich realisierbar ist. Deswegen greift die Work-Life-Integration die Dynamiken von New Work auf und konzipiert einen Ansatz, der Arbeit in Einklang mit Privatleben führt. Letztendlich haben beide Ansätze das gleiche Ziel: glücklichere und gesündere Menschen, die sich auf der Arbeit und im Privatleben entfalten können. Eins ist außerdem klar: wir müssen nicht alle in die Niederlande ziehen, denn für Unternehmen gibt es viele Work-Life-Maßnahmen, die auch hier umsetzbar sind. Mitarbeiter*innen, denen es gut geht und die gerne zur Arbeit kommen, sorgen nicht nur für ein positives Arbeitsumfeld, sondern arbeiten auch besser. Dies ist auch eine tolle und zusätzliche Motivation in Deinem Unternehmen, Maßnahmen für mehr Work-Life-Ansätze zu integrieren.