Von Eulen und Lerchen: New Work und flexible Arbeitszeitmodelle

Mär, 2021 , 4 min


Ein Auszug aus dem Leben einer Eule: mal wieder bis 3 Uhr wach geblieben und der Wecker klingelt um 7 Uhr. Snooze bis 8 Uhr. Schnelle Dusche. Kein Frühstück. Bahn knapp bekommen. Müde, erschöpft und schlecht gelaunt am Arbeitsplatz um 9 Uhr – aber immerhin pünktlich. 

Ein Auszug aus dem Leben einer Lerche: ganz schön spät geworden gestern Abend (22:30 Uhr), aber trotzdem vor dem Wecker wach. Eine gemütliche Runde Yoga und dann ab unter die Dusche. Mit der Zeitung an den Frühstückstisch und dann ganz ohne Eile zur Arbeit. Ankunftszeit: 8:55 Uhr ausgeschlafen, gut gelaunt und bereit für den Tag. 

Lerchen, Eulen und die innere Uhr aus biologischer Sicht

Erkennt Ihr Euch in einem der beiden Szenarien wieder? Das ist sehr gut möglich. Die Unterscheidung  in Lerchen und Eulen, also natürlichen Frühaufsteher*innen und produktiven Nachtmenschen,  kommt nämlich nicht von irgendwo. Es handelt sich hierbei um zwei Chronotypen, die der deutsche Psychiater Emil Kraeplin in einer Studie zu Ermüdung am Arbeitsplatz und Leistungsschwankungen über den Tag erarbeitet hat. Grundlage hierfür ist, dass jeder Mensch eine innere Uhr hat, welche die Stoffwechselvorgänge in unseren Körper steuert, also z.B. unseren Hormonspiegel sowie unsere Schlaf- und Wachphasen. Diese beeinflusst also, wann wir schlafen, wann wir gut arbeiten und wann wir leistungsfähig sind. Die innere Uhr ist tatsächlich genetisch festgelegt: manche Eulen kann man also nicht zu einer Lerche verwandeln und manche Lerche kann man nicht zu einer Eule verwandeln. Jedoch ist die innere Uhr nicht komplett stoisch, sondern verändert sich mit dem Alter. Und obwohl wir sie nicht komplett austricksen können, ist es sinnvoll, wenn wir an unseren Lebens- und Schlafgewohnheiten arbeiten, damit diese mehr im Einklang mit unserem Lebens- und Arbeitsalltag sind. 

Flexible Arbeitszeitmodelle: Gleitzeit

Die eigene Leistungsfähigkeit, aber noch viel wichtiger, das eigene Wohlbefinden, ist also von unserer inneren Uhr abhängig. Warum muss eine Eule also unbedingt um 9 Uhr im Büro sitzen, obwohl sie mit ein paar Stunden mehr Schlaf deutlich leistungsfähiger und glücklicher wäre? Oder wieso muss eine Lerche bis 19 Uhr am Schreibtisch ausharren, obwohl ihre Energiereserven sich dann bereits dem Ende nähern? Die Antwortet lautet: müssen sie nicht! Während das US-amerikanische 9-to-5-Arbeitszeitmodell lange Zeit die Norm für die Arbeitszeitgestaltung war, wurde diese Ära zuletzt von Brent Hyder, Präsident und Chief People Officer bei der Cloud-Computing-Lösung Salesforce, in einem Blogartikel für beendet erklärt: „the 9-to-5 workday is dead”. Zurecht, denn die Ansprüche, die moderne Wissensarbeiterinnen an Arbeit und deren Rahmenbedingungen haben, sind gestiegen. Gerade mit Blick auf flexiblere Arbeitszeitmodelle zeigt eine Studie des Bundesverband Bitkom aus 2019, dass bereits 51% der Arbeitnehmerinnen Gleitzeit von ihrem arbeitgebenden Unternehmen erwarten. 

Gleitzeit ist ein Modell, dass sich bereits in vergleichsweise vielen Unternehmen  – und nicht nur bei New Work Pionier*innen – etabliert hat. Sie erlaubt es Arbeitnehmer*innen die innere Lerche oder Eule ein Stück weit auszuleben, in dem es mehr Flexibilität bei der Gestaltung des Arbeitsbeginns und des Arbeitsende gibt. So gibt es meist eine vertraglich festgehaltene Anzahl an Stunden, die am Tag oder in der Woche gearbeitet werden soll und welche dann flexibel auf den Tag bzw. sogar auf die Woche verteilt werden kann. Gleitzeit ermöglicht es Arbeitnehmerinnen die Arbeit besser in ihren persönlichen Lebensrhythmus zu integrieren und ist ein Schlüssel zu mehr Work-Life-Integration. Gleichzeitig können so auch Verpflichtungen, wie z.B. die Kinder zur Schule bringen oder Ärztinnentermine einfacher wahrgenommen werden. Oftmals ist Gleitzeit jedoch auch mit einer Kernzeit verbunden, also einem festgelegten Zeitrahmen, z.B. 11 Uhr bis 14 Uhr, der Teil der Arbeitszeit ist. Durch die Festlegung eines Rahmens wird zwar die Flexibilität eingeschränkt, jedoch auch sichergestellt, dass Arbeitsprozesse problemlos ablaufen und nicht etwa die Eulen des Teams von 16 Uhr bis 24 Uhr arbeiten, während die Lerchen pünktlich um 16 Uhr den Laptop zuklappen. 

Flexible Arbeitsmodelle in New Work

Gleitzeit ist dabei nur eins, und sicherlich erst der Anfang, von vielen flexiblen Arbeitszeitmodellen, die den New Work Alltag revolutionieren. Denn bei New Work geht es nicht nur darum starre Arbeitszeitmodelle wie eben 9-to-5 aufzulösen, sondern eine neue Norm der Arbeit zu etablieren bei der Selbständigkeit, Freiheit und gemeinschaftliche Teilhabe im Mittelpunkt stehen. Flexible Arbeitsmodelle, die eben mehr Selbständigkeit und Freiheit von Arbeitnehmer*innen fördern, stehen dabei ganz vorne. Neben Gleitzeit sind die Vier-Tage-Woche, der 6-Stunden-Tag, Vertrauensarbeitszeit oder auch Jobsharing flexible Arbeitszeitmodelle, die im New Work Ökosystem diskutiert und ausprobiert werden. Zu flexiblen Arbeitsmodellen gehört dabei nicht nur Flexibilität in der Arbeitszeit, sondern auch räumliche Flexibilität, wie durch die Möglichkeit des Home-Office, Remote Work oder auch die Arbeit aus mehr als nur einem Büro dank flexibler Workspaces und des Co-Workings.