New Work und Female Leadership: 5 Fragen an Johanna Engelhardt

Mai, 2021 , 6 min


5 Fragen an unsere Head of Sales Johanna Engelhardt

Wofür steht Female Leadership für Dich?

Für mich ist Leadership bzw. Führung die Kunst eine Gruppe von Personen so zu motivieren, dass sie gemeinsam auf ein Ziel zu arbeitet. Eine gute Managerin sein, bedeutet für mich, sich selbst zu reflektieren und ständig lernwillig zu sein, um Fähigkeiten in der Teamentwicklung, sowie im strategischen Denken und Handeln weiterzuentwickeln. Ich persönlich bringe mich auch als Head of Sales noch viel im Tagesgeschäft ein. Da ist es wichtig, den Blick für das Strategische nicht aus den Augen zu verlieren. Als Führungskraft kommt man nicht drumherum, die Extrameile zu gehen. Als Managerin, Mutter und Ehefrau bedeutet das effektiv einen 24/7-Job zu haben.

Als junge berufstätige Mutter musste ich schon “managen”, lange bevor ich in meinem Berufsleben Managerin geworden bin. Von all den berufstätigen und erfolgreichen Müttern können sich viele Männer eine große Scheibe abschneiden! Berufstätige Mütter sind eine Doppelbelastung durch Kind und Beruf gewohnt und dadurch robuster. Frauen sind besonders effizient im Time-Management, sind empathisch und leben eine Hands-On-Mentalität, denn viele Dinge im hektischen Alltag sind anders gar nicht zu bewerkstelligen. Mit Einfühlsamkeit für Mitarbeiter*innengespräche und Motivation, innerer Ruhe und der Erfahrung Kindergeburtstage auszurichten, gewinnt die Frau jede hitzige Verhandlung – zu der sie sich aber auch trauen muss! Mein Führungsstil unterscheidet sich vom klassischen Stil des alten weißen Mannes, da mir dafür auch schlichtweg “die dafür notwendigen Eier” fehlen, ohne die man natürlich kein “richtiger Manager” sein, oder gar ein Fußballspiel gewinnen kann, wie schon Willi Orban wusste. Liebe Frauen, wir sind auch Teil dieses Spiels und meine Erfahrung ist, dass wir uns trauen müssen, das Einzufordern, was wir uns verdient haben und für das zu kämpfen, woran wir glauben. 

Wie ist der Female Leadership-Status Quo?

Auch heutzutage begegnen Frauen Herausforderungen in den unterschiedlichen Karrierestufen: von anzüglichen oder sexistischen Scherzen männlicher Kollegen bis hin zur Gender-Pay-Gap. Glücklicherweise gibt es immer mehr Frauen, die die Fähigkeiten entwickeln, diesen Herausforderungen entsprechend zu begegnen. Dazu gehört der Mut, unbedachte Scherze von Kollegen nicht einfach hinzunehmen, sowie das Selbstbewusstsein und Verhandlungsgeschick für die eigenen Gehaltsverhandlungen. An alle Frauen: schaut mal in das neue Buch ("Was Männer nie gefragt werden: Ich frage trotzdem mal") von Fränzi Kühne rein. Toll ist, dass sich viele Frauen und teilweise auch Männer – obwohl das der Standard sein sollte – in höheren Positionen inzwischen für ihre Kolleginnen starkmachen, wenn sie Sexismus und Ungerechtigkeiten im eigenen Unternehmen bemerken. Auch eine neue generelle Diskussionsfreudigkeit der Frauen in unserer Gesellschaft ist zu bemerken. Mit der Digitalisierung haben vor allem auch Frauen entdeckt, dass sie Netzwerke aufbauen und von anderen Frauen lernen können. Zuspruch, auch digital, macht Mut! 

Wie beeinflussen sich New Work und Leadership?

Die Unternehmensspitze ist entscheidend für die Unternehmenskultur. Gute Führungskräfte führen Unternehmen zu Erfolg und gleichzeitig motivieren sie die Mitarbeiter*innen. Ein inzwischen wesentlicher Faktor dafür ist die neue und vermehrt digitale Gestaltung von Arbeit z.B. in Form von flexiblen Arbeitszeiten, -Orten und Community Events. Mitarbeiter*innen mit familiären Verpflichtungen (Kinder, Tiere oder Pflege von Angehörigen) bekommen so die Möglichkeit, ihren Arbeitsalltag flexibler zu gestalten und die verschiedenen Bereiche des Lebens besser zu vereinbaren, sowie dennoch Karriere zu machen.  Flexible Arbeitszeiten und variable Arbeitsorte erfordern neue Kompetenzen in Planung, Organisation und Controlling des ganzen Unternehmens und der einzelnen Teams. Führungskräfte werden mit New Work vor die Herausforderung gestellt, teilweise nicht mehr so (örtlich) nah an ihrem Team zu sein, bzw. Arbeitszeiten nicht mehr genau nachvollziehen/einordnen zu können. Aufgaben- und Output-basiertes Führen sowie das Voranbringen der internen Kommunikationswege gehören somit heutzutage auch zu benötigten Führungskompetenzen. 

Wie setzt Du Dich als Female Leaderin durch?

Bei Unicorn habe ich als Account Managerin begonnen, und mich nach und nach zur Führungskraft entwickelt und genieße daher einen sehr natürlich gewachsenen Respekt und vor allem das Vertrauen meines Teams. Obwohl ich inzwischen Head of Sales bin, bin ich immer noch an der Basis, unterstütze beim Tagesgeschäft und bringe anderen gerne etwas bei. Meine Art von Werdegang innerhalb des Unternehmens und eine eventuell nicht ganz so öffentlich gelebte Hierarchie bringt allerdings auch Schwierigkeiten mit sich. In manchen Situationen passiert es, dass Kollegen, mit denen ich keine täglichen Berührungspunkte habe und die mit mir früher auf einer vergleichbaren Hierarchiestufe waren, mich noch nicht gänzlich als Führungskraft wahrnehmen. Als Frau frage ich mich daher manchmal, ob es nicht sinnvoll wäre, in solch einer Situation besonders “männlich”, schroff und kühl zu re(a)gieren. Bisher jedoch, habe ich mich jedes Mal bewusst dagegen entschieden, nicht weil ich eine Frau bin oder gerne eine männliche Führungskraft sein wollen würde, sondern weil es mein persönlicher Stil ist. Mit meinen Vorgesetzten herrscht ein sehr offener Austausch: vor allem durch den weiblichen Einfluss im Vorstand von Unicorn wird in der ganzen Unternehmenskultur sehr bewusst darauf geachtet, Frauen zu stärken. Auch die Männer an der Unternehmensspitze unterstützen und ermutigen Frauen in unserem Unternehmen. Bei Unicorn herrscht die richtige Kultur auch Frauen in Führungspositionen zu bringen.

Wer hat Dich inspiriert und welchen Rat würdest Du jungen und aufstrebenden Female Leaderinnen geben?

Mit Stolz erfüllt es mich, (noch) sagen zu können, dass wir in einem Land leben, in dem eine Frau das Kanzleramt innehat. Unter anderem  Verena Pausder, Fränzi Kühne und Tina Müller sind Frauen, deren Werdegang ich persönlich begeistert verfolge. Verena Pausder ist eine erfolgreiche Gründerin, mit ihrem Buch “Das Neue Land” zudem Bestseller-Autorin und Dreifach-Mutter. Sie lebt in Berlin und setzt sich enorm für digitale Bildung ein. Fränzi Kühne ist eine Berliner Unternehmerin, Mutter und als jüngste Aufsichtsrätin in ein börsennotierten Unternehmens gewählt worden. Sie engagiert sich zudem für mehr Frauen in Führungspositionen hat im Mai 2021 ihr Buch “Was Männer nie gefragt werden” herausgebracht. Tina Müller ist mehrfach Autorin, Vorsitzende der Geschäftsführung von Douglas und setzt unternehmensweit Diversität erfolgreich um. Diese Frauen haben trotz ihrer wahnsinnigen Karrieren ihren eigenen Stil behalten und sind authentisch und nahbar geblieben. Und dennoch denke ich darüber nach,  ob es eigentlich ok ist immer die tollen Karrieren zuerst zu erwähnen, denn jede Mutter weiß, dass die Erziehung von 3 Kindern, vermutlich schwieriger ist, als die Gründung einer (zugegebenermaßen) sehr erfolgreichen Firma bzw. Karriere. 

In meiner beruflichen Karriere hatte ich bisher nur männliche direkte Vorgesetzte. Das Buch “Alte weiße Männer” von Sophie Passmann beschreibt sehr treffend und humorvoll, mit welchem Typ Vorgesetzter man es als Frau dann oft zu tun hat. Kleiner Funfact am Rande ist, dass ich einmal fast mit meiner kompletten Familie aus einem Hotel geflogen bin, weil sich vier ältere Herren am Pool über die Lautstärke dieses Buches echauffierten. Ob es wirklich die Lautstärke beim Vorlesen des Buches war, überlasse ich den Leser*innen  ;) 

Eine Lektion, die ich mit meinem Werdegang gelernt habe, ist, dass es sich lohnt, den Mut aufzubringen, unstimmige Themen im Unternehmen direkt anzusprechen. Inzwischen gibt es in fast jedem Unternehmen Mitarbeiter*innen, die bereit sind, sich der Themen anzunehmen und Dich zu unterstützen. Ich bin froh, dass in unserem Management eine starke Frau sitzt, die Mitarbeiterinnen in unserem Unternehmen tatkräftig unterstützt und fördert! Erstellt Euch einen persönlichen Entwicklungsplan. Ein selbst reflektierendes Verständnis des eigenen Führungsstils und der eigenen Führungsqualitäten ist meines Erachtens der Schlüssel. Mit den ganz eigenen und einzigartigen Fähigkeiten und Führungsqualitäten Selbstvertrauen gewinnen. Werdet Euch Eurer Stärken bewusst. Seid Ihr selbst, denn Ihr seid besonders. Traut Euch selbst zu, ins Management oder Senior Management aufzusteigen und die “Glasdecke” zu durchbrechen: Women kick ass!!!! Damit irgendwann ein Manager nicht nur für einen Mann gehalten wird, sondern genauso gut eine Managerin sein kann.